Der Geruch ihrer Haare, jugendliche Verwirrungen und der Höhepunkt einer Karriere.

Die erste Berührung ist meist die intensivste. Vielleicht sollte man sorgsam mit Berührungen umgehen, um ihre Intensität nicht durch Gewöhnung herabzusetzen. Als sie kurz ihre Hand auf meine Schulter legte, war das Gefühl viel stärker als jenes, das ich hatte, als sie nackt auf mir saß.
Vielleicht stimmt es tatsächlich, daß wir manchen Dingen den Zauber nehmen, indem wir so tun, als seien sie normal und uns täglich damit konfrontieren.
Schon als sie am Bahnhof auf mich zukam und mich umarmte, hatte ich ein Problem, meine Erektion zu unterdrücken. Und als wir den ganzen Abend nebeneinander auf meinem Sofa saßen und „Brazil“ sahen, war jede zufällige Berührung wie eine Zuführung von Energie, die die Spannung erhöhte, bis sie sich plötzlich in einem Feuerwerk entlud. Das klingt jetzt furchtbar bemüht und kitschig, war aber so.
Und meistens sind es die kleinen Details, an welche man sich erinnert. Zum Beispiel an den Geruch der anderen Person, an den Geruch ihres Atems, an den Ausdruck in ihrem Gesicht, wenn man es von ganz nah betrachtet, wenn es soviel anders aussieht als im alltäglichen Umgang. Und nicht zuletzt spielt die Projektion dessen eine Rolle, das man in die Persönlichkeit der anderen Person legt. Um es mal so zu sagen: Ich meine festgestellt zu haben, daß es mich komplett langweilt, alles vorher abgesprochen zu haben und ausgemacht zu haben, daß es sich um einen neutralen gegenseitigen Austausch von Bedürfnissen handelt, nach welchem man auseinandergeht mit einem Händedruck und „schönen Tag noch!“ sagt, wie wenn man sich in der Bäckerei diese leckeren Kürbiskernbrötchen holt. Unser Leben ist so oft ohne Zauber. Gott ist widerlegt, wir haben dieses „Eins plus Eins istgleich Zwei“-Weltbild und es funktioniert. Es ist das Newton-Weltbild, das Ursache-Wirkung-Weltbild des neunzehnten Jahrhunderts. Es bringt Flugzeuge zum Fliegen, Eisenbahnen zum Fahren und sagt mir:
„Johannes. Wenn du jetzt an irgendwas außerhalb dieses Systems glaubst, wo hörst du auf, daran zu glauben? Glaubst du dann auch an Homöopathie? Glaubst du dann auch daran, daß es Dinge gibt, die man als ÜBERNATÜRLICH bezeichnen würde? Und wenn ja, wo fängst du damit an, diesen Glauben anzuwenden? Wenn du an Gott glaubst, wäre es dann nicht konsequent, an jeden Scheiß zu glauben, wofür das rationale Weltbild keine Erklärung hat? Und wieso stürzt du dich dann nicht aus dem Fenster, es könnte ja dann genauso gut auch sein, daß es dich garnicht umbringt – sondern daß du fliegen kannst?“
Um es kurz zu machen. Da ist dieser Konflikt. Wissenschaftlich gesehen haben wir jetzt zwar die Relativitäts- und die Quantentheorie, die das Newton-Weltbild schon längst ausgehebelt haben – aber im alltäglichen Leben, und das muß man mal so sagen, sind beide ein Economy-Class-Ticket in die Psychiatrie.
Das was bleibt, ist die Religion. Und Sexualität und Liebe. Beides kann man rationalisieren. Der Guru der Atheisten, Richard Dawkins, würde uns erklären, daß Gesellschaften, deren Mitglieder durch gemeinsame religiöse Rituale zusammengeschweißt würden, auf Dauer durchsetzungsfähiger waren oder sind und sich deshalb evolutionär eine Neigung zu religiösem Glauben beim Menschen herausgebildet habe. Und er würde ebenso argumentieren, wenn es um Liebe und Sexualität geht. Blablabla Pheromone blabla Evolution blablabla durchsetzungsfähig bla. Klingt absolut logisch, ist eine einfache Erklärung, die fast jedem einleuchtet – und ist absolut trostlos und deprimierend.
Ich will, daß es etwas Besonderes bleibt, ihr durch die Haare zu streichen und nachts ihren warmen Körper neben meinem im Bett zu spüren. Und deshalb müssen wir lernen, je nach Situation eines der beiden Weltbilder anzuwenden. Und die Kunst ist es wohl, in der richtigen Situation die richtige Herangehensweise zu wählen. Oder beide gleichzeitig, und damit das Paradoxon wählen, für das unsere Existenz sowieso steht.

Als ich zwölf Jahre alt war, war ich total fasziniert von Punkrock. Und ich wurde selbst so etwas wie ein Punker, obwohl ich immer brav genug war, mir KEINEN Iro zu rasieren. Es war diese Lebensphase, in der man als Jugendlicher aus bürgerlichem Hause erkennt, daß all die Werte, die einem als Ideal eingetrichtert wurden, in der Welt da draußen einen feuchten Dreck wert sind. Ehrlichkeit, Fleiß, Intelligenz – interessiert leider keinen. Und aus dieser Erkenntnis entsteht Wut. Und wohin mit der Wut? Punkrock!
Ich lernte Typen mit bunten Haaren kennen, die in der Augsburger Innenstadt herumlungerten und begann mich zu ihnen zu gesellen. Damals, Anfang der Neunziger, hatten wir in Bayern schon Strom aber eben noch kein Internet. Man lernte Leute tatsächlich einfach so kennen. Gleich am ersten Tag meiner Innenstadtpunkerkarriere wurde ich aus dem Hauptbahnhof verwiesen und war einerseits total stolz darauf (Outlaw!) und andererseits total empört, so ungerecht behandelt worden zu sein. Revolution! Ach, einfach die typischen Gefühle, die man in dem Alter so hat.
aa
Damals hatten sich meine Eltern gerade getrennt, und meine Geschwister, ich und meine Mutter lebten bei meinen Großeltern. Punker zu sein, wenn der Großvater als einzige männliche Autoritätsperson vierzig Jahre lang bei der Polizei war, ist in dem Alter ziemlich gut. Es gab also was zum rebellieren. Danke Opa! Und natürlich wollte ich damals, mit zarten zwölf Jahren, auch unbedingt zu den Chaostagen nach Hannover fahren, aber Mama hat es nicht erlaubt. Fassen wir zusammen: Ich war revolutionär genug gesinnt, mich an den Chaostagen beteiligen zu wollen, aber nicht, um ein Verbot meiner Mama zu ignorieren. Echte Revolutionäre hören auf ihre Mutter!
Im Rückblick ist das natürlich ein bißchen Schade, denn das waren damals DIE richtig krawallträchtigen Chaostage 1995. Mensch Mama! Naja, kann man nix machen.
chaos
Also verbrachte ich die Zeit damit, in dem Punkerdunstkreis dutzende verkrachter und fertiger Existenzen kennenzulernen, richtige Alki-Penner, Leute aus dem Methadonprogramm und viele Kids in meinem Alter, die aus richtig, richtig bösen Verhältnissen stammten, viel schlimmer noch als meine eigene kleine Mittelstandskatastrophe. Darunter viele, die ernsthaft planten, von zuhause abzuhauen und nach Berlin unter die Brücke zu ziehen. Wenn man nicht mehr täglich damit zu tun hat, vergisst man sowas leicht, aber in dieser Welt kriegen viele Leute Kinder, die diese echt scheiße behandeln und richtig schlechte Eltern sind. Und für diese Kinder ist es, leider muss man das so sagen, allemal besser, in Berlin im Abbruchhaus zu pennen und sich in der U-Bahn durchzuschnorren, als sich täglich von ihren Erzeugern verprügeln zu lassen.
Und man spielte natürlich „Berlin“, „besetzte“ Häuser – soll heißen man gammelte in Abbruchhäusern rum, bis die Polizei anrückte, vermüllte den Vorplatz des Hauptbahnhofs, schnorrte Passanten um Kleingeld an und machte allerlei solchen Quatsch.
Es waren die neunziger Jahre und Augsburg war damals, noch viel mehr als heute, einfach ein Kaff, das als Zentrum eines damals noch zutiefst provinziellen Landstriches sämtliche Freaks aus den Dörfern der Umgebung anzog. Und so kamen auch viele typische Dorfdrogen in die Stadt. Eine Bekannte, damals vielleicht fünfzehn Jahre alt, eröffnete mir eines Tages, sie könne nicht mehr richtig sehen, sie habe mit einer Freundin Tollkirschsaft getrunken und ein wenig zuviel erwischt.
Manche blieben dann auch wirklich auf Heroin hängen. Eine Weile lang hing ich mit einem Typen herum, der frisch aus der Klapse kam, in einem leeren Appartement wohnte und darüber sprach, daß ihm seine Familie Medikamente ins Essen mische. Zu der Zeit hatte ich soviel Kontakt zu solchen Menschen, daß ich das schon ignorierte. Der gab dann bekannt, er würde mit einem anderen Typ in den Urlaub fahren und dann machten sich die beiden auf ins nahegelegene Günzburg, wo damals eine große psychiatrische Klinik war. Ein paar Tage später waren sie wieder da und schimpften darüber, daß sie nicht aufgenommen worden waren.
Ein paar Mal übernachtete ich bei einem damals schon sehr gesetzten Kumpel (er hatte das biblische Alter von achtzehn Jahren erreicht!) in der Behausung, die der sich mit einem anderen teilte. Ich habe davon und danach nie wieder eine so dermaßen versiffte und zugemüllte Wohnung gesehen. Der Boden war vollkommen und restlos knöcheltief mit Müll bedeckt. Von der Küche reden wir besser garnicht erst. Und dann hatten die beiden noch ein paar Ratten, die frei in der Wohnung herumliefen – soll heißen herumpinkelten und herumkackten, was allerdings dann auch nicht mehr auffiel.
Die Wohnung lag außerhalb Augsburgs in einem Vor-Vorort, schon weit draußen in der bayerisch-schwäbischen Inzuchtzone. Eines Nachts begleitete ich meinen Kumpel in den Wald, wo er von irgendeiner Brücke irgendwelche Dinge in eine Bach kippte. Ich dachte mir damals wirklich Nichts dabei.
pampa
Die ganze Sache hatte viel mit diesem Outlaw-Gefühl zu tun, das ich damals hatte. Seit ich aufs Gymnasium gekommen war, war ich grandios schlecht in der Schule geworden und von meinen Mitschülern wurde ich nicht akzeptiert. Ich war ein komischer Sonderling und dazu noch dick. Ich war auf einem humanistischem Gymnasium und alles in allem kann ich sagen, daß die da großes Glück gehabt haben, daß meine Eltern keine Schußwaffen im unverschlossenen Schrank rumliegen hatten. Das Gymnasium bei St. Anna in Augsburg, ein kalter ekelhafter Betonklotz mit einem noch ekelerregenderen siebziger-Jahre-Anbau als Stahl und Scheiße, vollgestopft mit Kindern aus der oberen Mittelklasse und mit Lehrern, die wie die Karikaturen von Lehrern waren – von allem eine Ahnung außer vom Leben. Dann werden einem auf der Schule ein Haufen dermaßen hohle Lebensweisheiten eingetrichtert über das Berufsleben, die das zum Inhalt haben, was sich irgendwelche Studienräte unter diesem vorstellen – Typen die den Stock so tief im Arsch stecken haben, daß er oben wieder rauskuckt.
anna
Okay, sorry, das musste mal raus.
Damals gründete ich dann mit meinem Kumpel Jakob die erste Band. Anfangs waren wir noch zu zweit und spielten auf Akustikgitarre und selbstgebasteltem Schlagzeug in Jakobs Keller weltverbesserische Hippiesongs. Wir wollten natürlich cool sein und die älteren alternativen Metal- und Punkertypen auf unserer Schule beeindrucken. Klappte natürlich nicht und wir machten uns konsequent zu Idioten und zum Gespött der ganzen Schule mit irgendwelchen Auftritten, die ein Desaster waren.
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Irgendwann brachten wir es dann zu echten Instrumenten und einem Schlagzeuger, der in einem Augsburger Kinderheim aufgewachsen war und in einer von Sozialarbeitern begleiteten Wohngruppe neben diesem Heim wohnte, wo ich ab und zu mit ihm rumhing und mit den Älteren aus der Gruppe Slayer hörte.
Alle unsere Auftritte waren übrigens grauenhaft schlecht. Zum Beispiel spielten wir auf der offiziellen Abschlussfeier der Hauptschule, auf der unser Schlagzeuger damals gewesen war. Die Rede, die der Direktor dieser Schule damals hielt, war so übel, daß ich mich bis heute daran erinnere. Er schwafelte irgendwas vollkommen Inhaltsloses von „unsere Kinder mit Gottes Segen in die Welt entlassen…“ während unser Schlagzeuger hinter ihm mit dem White-Zombie-Shirt vorbeilief, auf dem groß „SAY YOU LOVE SATAN!“ stand. Angesichts der versammelten Kleinbürger-Spießigkeit im Raum gab es keinen besseren Kommentar.
In den darauffolgenden Jahren habe ich eigentlich nichts getan außer Gitarre zu spielen. Heute sagen mir Leute „Oh das ist ja toll, du kannst Gitarre spielen, ich wünschte ich könnte das…“.
Nein, wünscht Ihr euch nicht. Ich hab meine Jugend mit Gitarrespielen verbracht, weil ich ein dicker Außenseiter war, dem nichts anderes übrigblieb. Mädchen haben mich mit dem Arsch nicht angesehen. Und gefördert hat mich dabei auch keiner. Meinen Eltern war wichtig, daß ich die Schule hinbekomme, ob ich Gitarre spielte, ging ihnen sonstwo vorbei. Als ich noch Klavierunterricht gehabt hatte, war das was anderes gewesen, denn Klavier, das ist ja ein bürgerliches Statusinstrument. Aber E-Gitarre…der Junge soll was anständiges machen und für die Schule lernen, Heavy Metal ist eh Quatsch. Sie zahlten mir zwar Unterricht, aber mehr so aus dem bürgerlichen Anspruch heraus, daß man kein Instrument autodidaktisch lernen kann. Was ich dann so lernte im Gitarrenunterricht, das war ihnen herzlichst egal. Fairerweise muss man dazusagen, daß es zu jener Zeit in unserer Familie wichtigere Probleme gab. Und daß in vielen Familie das Geld für sowas erst garnicht vorhanden ist und ich insofern ziemlich privilegiert war und mich nicht beklagen sollte. Das meine ich ernst.

studio
Irgendwann im Frühjahr 2002 nahm ich eine CD auf, die ich „Front: Europa“ nannte. So fühlte ich mich damals auch. Ich wollte so militant klingen wie Laibach, aber ohne die Ironie, die Laibach haben. Im Jahr davor hatte die Anti-Globalisierungsbewegung ihren Höhepunkt in Genua gefeiert und nicht lange danach hatten sich ein paar Verrückte in mitsamt ihren Flugzeugen ins Wold-Trade-Center in New York gestürzt und dafür gesorgt, daß sämtliche rechten Politiker durchdrehten und die Welt ungestraft mit ihren perversen Orwell-Fantasien behelligen durften. Ich hatte also eine Menge Wut in mir und noch einige spätpubertäre Auswüchse in meiner Persönlichkeit, die mich die Peinlichkeit eines Liedes wie „Vagina Song“ ignorieren ließen.

Ich schickte die CD in die ganze Welt hinaus, und es schrieben sogar ein paar Leute darüber. Zum Beispiel ein Redakteur der Spex, der sie in einer regulären Besprechung in der Print-Ausgabe der Spex abfeierte – was wohl als publizistischer Höhepunkt meines bisherigen künstlerischen Schaffens gewertet werden kann.
spex
Ein Mitarbeiter der Spex veranstaltete damals in Köln Partys, auf denen er alles mögliche auflegte, was mit elektronischer Musik zu tun hatte und lud mich Anfang 2003 ein, doch dort zu spielen. Also fuhr ich mit Frau Chuck, meiner damaligen Freundin und mit Frau K., einer weiteren Bekannten nach Köln. Dort trafen wir zuerst auf Herr A., in deren WG wir nächtigen wollten und machten uns dann zusammen mit einem der DJs auf den Weg zum Auftrittsort. Dort hängte ich meine militanten beiden Europaflaggen auf, die auch noch von zwei Lampen angeleuchtet wurden, und dann warteten wir. Gegen ein Uhr nachts war der Laden nicht mehr ganz leer, es lief House, und ein paar Leute tanzten sogar. Dann durfte ich auftreten. Die Leute waren ein wenig verwirrt ob meiner Mischung aus Hiphop und Industrial und Lyric, aber ich ließ mich davon nicht beirren und baute noch einige Publikumsbeleidigungen ins Programm ein. Kurz vor dem letzten Song war der Sound plötzlich weg und eine der Bardamen stand im Raum, und sagte laut „also wir müssen jetzt überlegen, was wir machen, ein paar Leute haben sich beschwert über das Programm, also den Auftritt brechen wir jetzt am besten ab…“. Es kam zu einer lauten Diskussion, in deren Verlauf Herr A. laut brüllte „Was soll die Scheisse! Ich hab dafür bezahlt! Ich will den Auftritt sehen! Ich hab Eintritt bezahlt!“ (er hatte KEINEN Eintritt bezahlt, weil ich ihn als Bandmitglied reingezeckt hatte) und erst als ich klar machen konnte, daß ich eh nur noch einen einzigen Song spielen würde, durfte ich weitermachen. Ich spielte „Vagina Song“ und wir hauten ab. Eines der großen Erfolgserlebnisse meines Lebens!
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Herr A. lebte in einer 10-Mann-Haus-WG, in welcher es in den meisten Zimmern keine Heizung gab. Frau Chuck und ich schliefen im Wohnzimmer und erfroren fast. Am nächsten Morgen saßen wir am Frühstückstisch und wurden von fast allen Bewohnern freundlich begrüßt, außer von einem hochgewachsenen bärtigem Typen mit langen, fettigen Haaren. Er erwiderte unser „Guten Morgen“ nicht, würdigte uns keines Blickes, und ließ sich Honig von einem Löffel in den Mund laufen. Ich habe ihn verstanden. Wenn man schon in einer Zehn-Mann-WG wohnt, muß man das auch manchmal ausnutzen und die Freunde von Mitbewohnern als Publikum für die eigene Grummeligkeit nutzen. Würde ich auch so machen.

1 thought on “Der Geruch ihrer Haare, jugendliche Verwirrungen und der Höhepunkt einer Karriere.

  • Jaaaaaaaaa, die Sache mit der Berührung! —– Aber ich will hier zu einem anderen Punkt etwas sagen, zu Gott und der Rationalität. Denn es ist sehr vernünftig, an Gott zu glauben. Und zwar genau, damit wir nicht an solch unhaltbaren Müll wie Homöopathie glauben müssen! Das Bedürfnis nach Glauben; die aus ihm erwachsende Selbststärke; die Erkenntnis, dass jedes menschliche Wissen endlich ist und immer einen beachtlichen Rest offen lassen muss, den eh nur der Glaube füllen kann; das Wissen um die absolute Unerklärbarkeit der letzten Fragen; das alles und ggf. noch einiges mehr sagt mir: Glaube an Gott (oder wie immer wir das nennen wollen), spare dir den Glauben an menschliche Dummbeuteligkeiten, verlass Dich auf jahrtausendealte Religionen, sie sind aus Erfahrung gut (wenn wir das Schlechte daran – das schließlich sehr leicht als Menschenwerk erkennbar ist – konsequent bekämpfen). An welche Religion ist dabei wirklich nicht so wichtig. Denn sie sind alle zwangsläufig falsch, da das Göttliche nicht wirklich mit menschlichen Mitteln erkannt werden kann. Aber sie alle sind – wenn sie dem Menschen zugewandt und positiv sind – immer noch besser als der Glaube an Homöopathie, Politikerweisheit, Stühlerücken, die Wiederkehr des großen Kürbis oder ähnlichem. Und allemal ungleich besser als der Glaube an einen gemütlichen Kapitalismus für alle Menschen. Denn das ist der mit Abstand irrationalste Glauben, das geht gar nicht, denn der Kapitalismus ist – um es christlich zu sagen – eine Inkarnation des Antichristen.
    Ansonsten: Wieder sehr kurzweilig, interessant, einfach gut, schöner Blog.

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