Urbane Raumfahrt.

spargel
Es war ca. zwei Uhr nachts, und ich sah aus dem Fenster. Wieso der Frankfurter Fernsehturm nachts ausgerechnet in der Farbe PINK leuchtet, habe ich nie verstanden.
Irgendwann im Jahr 2002 begann ich, Zivildienst zu machen. Das war garnicht sooo einfach gewesen, denn tatsächlich wollte mich der Arzt im Kreiswehrersatzamt ausmustern.
„Wollen Sie nicht doch mal lieber noch Ihren Rücken röntgen lassen? Das sieht irgendwie nicht so gut aus…“ – Alter, das ist MEIN Text!
Wahrscheinlich bekommt man in diesem Job ziemlich schnell eine gewisse Menschenkenntnis und so war dem guten Mann von vorneherein klar, daß jegliche militärische Betätigung nichts für mich ist. Das Ding war nur: Mein damaliger Job ödete mich so grandios an, daß ich tatsächlich unbedingt Zivildienst machen wollte, und so wurde ich als gerade mal so eben tauglich (T4) befunden.
Ich landete dann in einer Frankfurter Schule für Kinder mit „Körperbehinderung“ – und da das Gehirn halt nun mal eben ein Teil des Körpers ist, lag bei fast allen Schülern auch eine geistige Behinderung vor.
Zivi zu sein war ziemlich cool. Man konnte mit den Kids rumalbern, hatte das Gefühl, etwas Nützliches zu tun, aber fast keine Verantwortung. An der Schule gab es fast zehn Zivildienstleistende, insofern war man nicht alleine, und man war noch jung genug, sich nichts draus zu machen, das unterste Glied in der Karrierekette zu sein. Die Kehrseite der Medaille war dann, daß wir Zivis für alles verantwortlich waren, was mit Körperflüssigkeiten zu tun hatte. Zu dritt in der Vormittagspause Windeln zu wechseln, machte aber irgendwann Spaß. Wir hatten einen Ghettoblaster im Bad, auf dem Punkrock lief – oder komischer Techno, den der pilzessende Kollege aus Friedrichsdorf im Taunus mitgebracht hatte. Jeden Morgen bestand unsere Aufgabe darin, die Kinder, die mit den Fahrdiensten aus der ganzen Stadt herangekarrt wurden, aus den Bussen zu laden, samt ihren Rollstühlen, mit automatischen Rampen. Der Hof der Schule war dann so etwas wie ein großes Flugzeugträgerdeck, und wir waren eben das glorreiche Bodenpersonal, ohne das nichts geht. Als ein Typ, der damals nichts von der Gesellschaft hielt – und zwar GARnichts! – war es schon ganz schön beeindruckend, daß dieses System, so saudumm es auch war (oder ist), tatsächlich etwas Positives hervorgebracht hat. Und zwar, daß selbst Kinder mit allerschwersten Behinderungen, die keinerlei Regung zeigten, eine Lebenserwartung von fünfzehn Jahren hatten, die in speziellen Sitzschalen transportiert wurden und selbst im Alter von zwölf Jahren nur 25 Kilo wogen…daß selbst diese Kinder tatsächlich in die Schule transportiert werden, daß tatsächlich auch die nicht vergessen sind und ihren Platz in der Gesellschaft haben. Vielleicht ist das auch was, das nicht DANK sondern eben TROTZ dem Schweinesystem funktioniert. Das machte es für jemanden wie mich, der immer dafür kämpfte, NICHT ein Teil der Gesellschaft sein zu wollen, umso beeindruckender.
Nach dem Zivildienst fand ich Arbeit bei einem Pflegedienst, der Menschen mit allen möglichen Behinderungen in der gesamten Stadt betreute. Und zwar bei einem, dessen Träger ein Verein war, der sich seit den siebziger Jahren die Integration von Menschen mit Behinderung auf die Fahnen geschrieben hatte. Das machte die ganze Sache ideologisch ziemlich korrekt für mich und machte einen Großteil meiner Motivation für die Arbeit aus. Viele der „Kunden“ (so wurden die genannt, um ihren Status als selbstständige Menschen herauszuheben) hatten eine ständige Betreuung, rund um die Uhr. Eine meiner ersten Schichten leistete ich bei einem fast vollständig gelähmten Herrn um die fünfzig ab, der in einer Wohnung in Neu-Isenburg lebte. Die Schicht begann um achtzehn Uhr abends und dauerte bis neun Uhr morgens am nächsten Tag. Ich hatte Glück. Der Kunde wollte nichts tun, als vor dem Fernseher sitzen, James Bond sehen und Malboros rauchen. Er war wortkarg, aber viel zu sagen gab es eh nicht. Gegen zwei Uhr nachts wollte er zu Bett gehen und ich durfte mich ebenso hinlegen. Ich saß morgens in der S-Bahn, kam von der Arbeit und freute mich auf mein Bett.
Viele Male betreute ich einen anderen Herrn in einem Wohnblock in Frankfurt, in dem lauter behindertengerechte Wohnungen waren. Er war ca. vierzig Jahre alt, stark spastisch gelähmt und arbeitete in einer örtlichen Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Der Ausdruck „geistige Behinderung“ wurde bei meinem damaligen Arbeitgeber als diskriminierend empfunden – eine löbliche Haltung, die leider nicht immer praktikabel ist. Denn vor allem wenn man einen Menschen, den man betreuen soll nicht gut kennt, kann das Wissen um eine kognitive Einschränkung auch für diesen Menschen viel vereinfachen.
Meine Schicht begann auch dort am Wochenende meist gegen achtzehn oder neunzehn Uhr, der Kunde begab sich meist gegen elf Uhr ins Bett und dann gab es wenig zu tun – außer ihn auf die Toilette zu setzen wenn er nachts den Schwesternruf betätigte. Da ich befürchtete, dieses DINGDONG im Schlaf nicht zu hören, blieb ich meist die ganze Nacht lang wach und sah mir Filme auf seinem Videorekorder an. Und sah eben aus dem Fenster, wo ich Blick auf den pinkfarben leuchtenden Fernsehturm hatte. Die Beleuchtung wird übrigens irgendwann nachts abgeschaltet, wie ich feststellen musste.
Unter der Woche klingelte um halb sechs Uhr morgens sein Wecker. Ich musste ihn waschen und anziehen. Meistens lag der Kunde noch dösend im Bett, während ich bei ihm Intimpflege durchführte und ihn anzog. Wenn man so einen Job macht, sollte man damit klarkommen, daß Menschen in solchen Situationen Erektionen bekommen. Was soll man von jemandem erwarten, der rein körperlich nicht in der Lage ist, sich selbst im Intimbereich zu berühren und insofern hypersensibel sein muß.
Damals hatte Frankfurt noch einen sehr besonderen Zauber für mich, den ich leider in den letzten Jahren durch Gewöhnung nicht mehr wahrgenommen habe. Wahrscheinlich ist es mit Städten wie mit Jobs, wenn man über Jahre hinweg jeden Tag denselben Situationen und Eindrücken ausgesetzt ist, setzt eine gewisse Betriebsblindheit ein und man nimmt die kleinen poetischen Nuancen nicht mehr war. Ich fuhr jeden Tag mit der Bahn, stieg in der Galluswarte ein und aus, große Kopfhörer auf den Ohren, zu jener Zeit hörte ich noch viel Rap und Hiphop, bevorzugt spacigen Kunststudentenrap aus New York, der damals auf dem Label Def Jux erschien. Das gesamte erste Soloalbum von EL-P, „Fantastic Damage“ oder „The Cold Vein“, von Cannibal Ox, deepe Beats über Flächensynthies mit irren Raps, die Geschichten erzählten von Galaxien aus Eisen, der Luft im Weltraum oder tiefergelegten Massezertrümmerern. Oder Aesop Rock mit irren Geschichten über die Blitz-Flut einer Psychose…Und dabei sah ich aus dem Fenster, wenn die S-Bahn vor dem Hauptbahnhof unter die Erde tauchte. Ich kam gegen elf Uhr abends im Sommer von der Arbeit und durchquerte den Bahnhof, wo ich umsteigen musste, und die Züge an den Bahnsteigen wirkten wie riesige weiße Wale auf mich, oder wie Raumschiffe auf dem Weg zu anderen Planeten. Dann fuhr ich nach Hause, ins Gallusviertel, und legte mich in mein Bett, über dem die Wand mit Karten der Stadt vollgehängt war. Oder ich hörte Steve Reichs minimalistische Klanglandschaften morgens auf dem Weg zur Arbeit, sah den Verkehr auf der Eschersheimer Landstrasse, wenn die gelben Lichter der Müllabfuhr durch den noch dämmernden Morgen leuchteten….
Manchmal wenn ich im Bett liege und keinen Schlaf finden kann, stelle ich mir vor, ich läge in einem Raumschiff, das in der Stille des Weltalls im Orbit des Jupiters hängt. Dann vergesse ich, daß ich nur einer von hundertausenden Menschen in dieser Stadt bin, die wie in Regalen in einem großen Warenlager über- und nebeneinander gestapelt sind und finde ein wenig Ruhe.

Das Erste, was wir sehen, als wir in Altötting ankommen, sind ein paar jugendliche Typen mit White-Power-Shirts. Basti und ich können uns nur knapp zusammenzureißen, die nicht mit den beiden VW-Bussen zu überfahren. „Rechtsradikale Provinzjugendliche von Bussen einer Frankfurter Behindertenwerkstatt überrollt!“ – das wär doch mal ne Schlagzeile gewesen!
Wir checken mit unserer kleinen Reisegruppe im behindertengerechten Hotel der Caritas ein. In Oberbayern bedeutet das: In jedem Zimmer ein Kruzifix an der Wand, ein Weihwasserspender neben dem Lichtschalter und im Speisesaal stehen Madonnenstatuen. Im Eingangsbereich hängen Werbeplakate aus für die „Papst-CD“, die man käuflich erwerben kann.
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Also gehen wir am ersten Tag die Stadt besichtigen. Blablabla Papst blabla Kommerz blabla. Ratzinger ist jetzt voll Mainstream geworden. Ich mochte seine frühen Alben lieber, als er noch Underground war. Jetzt macht er irgendwie so gefällige Popmucke, es ist nicht mehr so ursprünglich und roh wie früher, und irgendwie ist auch der gefährliche Outlaw-Touch der Frühwerke verlorengegangen. Aber der Mann wird ja auch älter und muss sehen, wie er seine Rente zusammenbekommt.
Daß der gute Langhaarige aus Nazareth die ganzen Händler, die um die größte Kirche in Altötting ihren pseudoreligiösen Kunsthandwerksklimbim verscheuern, mal eben mit dem Gürtel (zielsicher auf den Enddarm!) zum nächsten Pennymarkt peitschen würde, erwähnte ich ja in einem anderen Kapitel schon. Ich bereue aber immer noch, daß ich mir kein Benedikt-Tourshirt gekauft hab…
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Am zweiten Tag machen wir uns auf, eine Burgruine in der Gegend zu besichtigen, was ganz nett ist. Und wir überqueren die Grenze nach Österreich. Diesen Schritt taten aber schon Menschen vor uns, insofern stufe ich diesen Tag jetzt mal als nicht allzu spektakulär ein.
Anstrengend wird die Reise deshalb, weil die Kollegin, die mit mir im Bus unterwegs ist, diese anstrengend macht. Die Klienten (zwei Rollstuhlfahrer mit Hemiparese, ein Autist und ein älterer Herr mit mittelschwerer geistiger Behinderung, z.N. Apoplex und daraus folgender Demenzsymptomatik) sind gechillt, nur sie geht mir SOWAS von auf den Sack. Fr. Grzwbshmnhkwpbkowski (Name von der Redaktion geändert), wird von allen Klienten aufgrund ihres für Menschen mit schwacher Mundmotorik nur sehr schwer auszusprechenden polnischen Nachnamens lediglich „Hoschki“ genannt und keiner weiß, wie sie an den Job gekommen ist. Sie ist fast sechzig Jahre alt und erzählt immer wieder stolz, wie sie vor hundert Jahren in Polen Pädagogik studiert hat und ein bißchen so sind auch ihre Methoden. Keine Ahnung, ob die Pädagogik in Polen zur Zeit des Kommunismus rückständig war, ihre ist es. Was nicht so schlimm für MICH wäre, wenn nicht ihr ständiges Gejammer wäre. Ihr passt dies nicht und jenes nicht, ihr ist zu warm oder zu kalt und „är hat mikk gäspuckt!“ hundertmal pro Tag zu hören, weil Henry, der Autist, nun mal Hypersalivation hat (= erhöhter Speichelfluß = Sabbern) wird einfach irgendwann langweilig.
Am dritten Tag geht es in die Berge. Alfred, der demente Herr mit dem Schlaganfall, deutet mit einem zitternden Zeigefinger aus dem Fenster des Busses und sagt „Heidi!“. Wir steuern die Touristenfalle Königssee an und fahren mit einem dieser Kähne drüber. Mitten auf dem See steht Alfred auf und will irgendwohin laufen und ist davon nicht abzubringen, auch nicht mit dem Argument er sei nicht Jesus und es sei deshalb ein Problem für ihn, in einem Boot aufzustehen und irgendwo hingehen zu wollen. Die Schulklasse, die auch an Bord ist, glotzt unsere Klienten unverhohlen an. Scheinbar bringt man Kindern heutzutage nicht bei, daß wir alle so enden können.
Schließlich wollen wir noch eine krasse Aussicht genießen und fahren mit den Bussen die Serpentinenstrasse zum Obersalzberg hoch. Der ältere Bus, den ich mit Hoschki fahre (die sich panisch festklammert), säuft irgendwann ab weil der Motor vor der Steigung in die Knie geht – hinter uns ein LINIENBUS, der mit Lichthupe drängelt. Also als Fahrer des Führers hätte ich mich schonmal nicht bewerben können. Mist!
Ansonsten gibt es Rumgehänge im Caritashotel. Mein Zimmer mit Alfred zu teilen ist nicht immer leicht, denn wenn man ihn lässt, läuft er ohne jede Orientierung aus dem Haus und ist dann erstmal weg. Also liegt er morgens, während ich noch unter der Dusche stehe, wach rum, rüttelt am Bettgitter und schreit das Haus zusammen, daß er hier festgehalten werde. Immerhin ist das nicht gelogen.

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Eine Weile lang trafen wir uns im Sommer jeden Abend am Mainufer in der Innenstadt. Eine lose Ansammlung Bekannter, die sich gegenseitig sympathisch fanden. Ich hatte sechs Wochen lang Urlaub – soll heißen, ich hatte Mitte Juli meinen Job gekündigt und wollte Anfang September meine Ausbildung beginnen. Ich hatte an einer Schule gearbeitet und stand vor der Wahl, noch sechs Wochen lang im Pflegedienst zu arbeiten oder eben meinen Dispositionskredit auszureizen. Fatale Fehlentscheidung? Vielleicht. Aber immerhin konnte ich sechs Wochen lang rumhängen, und für jemanden, der nie studiert hat, ist das wie ein schöner Rückfall in die Schulzeit, nur ohne bei den Eltern zu wohnen und so.
Also hingen wir, sofern es das Wetter zuließ, am Main ab, auf einer Decke auf dem Grünstreifen am Ufer. Mit einem MP3-Player, an den Boxen angeschlossen waren und auf dem meistens Sublime lief. Gegen halb ein Uhr nachts machten wir uns auf den Weg nach Hause. Stefan konnte in seinem Job anfangen wann er wollte, Niklas hatte sowieso erhebliche Schlafstörungen, Miriam (die wir ein paar Wochen vorher noch in der Klapse besucht hatten) war dauerkrankgeschrieben, Rick Student und was Manu und Nathalie damals so trieben weiß ich nicht mehr. (Alle Namen wurden von der Redaktion geändert).
Ich weiß nur, daß es etwas romantisches hatte, jeden Abend die Skyline am anderen Ufer zu sehen, manchmal bei Kerzenlicht dazusitzen und sich über Gott und die Welt zu unterhalten. Irgendwann gab es halt nichts mehr zum drüber reden aber das war dann auch egal. Manchmal gesellte sich auch Fr. P. zu uns, die damals noch in Sachsenhausen um die Ecke wohnte.
Wir waren ein kleines Grüppchen, das, was die Weltanschauung anging, perfekt harmonierte. Soll heißen: Die Welt ist böse und traurig und hasst uns alle. Eine Gruppe depressiver Leute, die viel blöderes mit ihrer Zeit anfangen hätten können.
Eines Freitagabends beschlossen wir, einfach dort am Main zu übernachten. Das war bis etwa ein Uhr nachts so wie jeden Abend, dann wurde es aber echt ungemütlich, langweilig und es zog sich. Wir hatten uns zu Ziel gesetzt, bis zum Sonnenaufgang zu bleiben. Es war zwar schon so gegen sechs Uhr morgens hell, der wirkliche SonnenAUFGANG war aber erst gegen sieben. Und das war laaaaang und irgendwann war es dann trotz Sommers auch kalt. Und der Grünstreifen wurde oberunbequem. Als ich drauf und dran war zu sagen „Okay Leute, scheiß drauf, ich lauf heim!“ wurde mir das per Gruppenzwang untersagt.
Schließlich mussten wir alle wieder morgens aufstehen. Irgendwann im September traf ich mich mit Ricky nochmal an unserem Platz. Es war kalt, bewölkt und der Sommer war vorbei.

Es war unglaublich kalt in Hamburg. Dort war meine Mutter hingezogen, der Liebe wegen. Zu jener Zeit aß ich nur Obst und Gemüse und trank Literweise Cola Zero und Tee mit Massen von Süßstoff. Es war Winter und mir war nur kalt, die ganze Zeit.
In Hamburg war das Streusalz ausgegangen, und so hatte sich in der ganzen Stadt eine Schicht aus Eis ausgebreitet, auf der die Menschen so herumrutschten. Die Alster war zugefroren und auch im Hafen trieben Eisschollen, es war also fast so, als sei man in einer Stadt in Nord-Norwegen. Ich verabredete mich mit einer Internetbekanntschaft, einfach so, aus Langeweile und wir saßen in St. Pauli in einer Sexuellerandgruppenkneipe und ich trank Pfefferminztee. Der Abend war jetzt nicht besonders, ich erinnere mich an keines der Gesprächthemen, nur, daß am Tisch nebenan irgendein Bondage-Workshop stattfand, was man aber irgendwann auch unter „Normal. Wo sind denn die Toiletten? Der Tee treibt so.“ verbucht.
Am nächsten Tag ging ich ins Schwimmbad. Also vormittags, unter der Woche, in ein Schwimmbad in Hamburg-Bahrenfeld. Das ist das bessere-Leute-Viertel. Wer geht da um diese Tageszeit ins Schwimmbad? Genau. Rentner und Mütter mit Kindern. Und so wurde, kaum daß ich zwei Bahnen geschwommen war, die Schlagermucke angestellt. Ja toll. Dafür habe ich FÜNF Euro Eintritt für zwei Stunden bezahlt? Alter! Zum Glück hört man unter Wasser nicht soviel. Und ins Kinderbecken auszuweichen wäre irgendwie komisch gewesen.

Eines der coolsten Dinge, die ich in meinem Leben gesehen habe war die totale Sonnenfinsternis 1999. Ich lebte noch in Augsburg, das sich zu dieser Zeit in dem knapp hundert Kilometer breiten Streifen lag, den der Kernschatten des Mondes über die Erdoberfläche zog. Den ganzen Tag über war es bewölkt, doch als ich zu meinem Kumpel Jakob fuhr, um mit ihm rumzuhängen und die Sonnenfinsternis anzuschauen, zogen die Wolken auf.
Als es schließlich soweit war, standen wir auf einer Wiese in Augsburg. Plötzlich wurde es dunkel, erst war es, wie wenn sich Wolken vor die Sonne ziehen – und dann wie ein Sonnenuntergang in Zeitraffer. Es wurde kalt und Wind kam auf. Ich kann mich nicht erinnern, ob die Vögel wirklich zu zwitschern aufhörten – aber wir hörten auf zu reden und sahen nach oben. Da war dieser goldene Ring im dunklen Himmel, der nach allen Seiten gleißte. Zwei Minuten lang.
Wir brauchen endlich interplanetare Raumfahrt!
sol

6 thoughts on “Urbane Raumfahrt.

  • Warum der Fernsehturm Pink leuchtet? Er leuchtet magentafarben – das hat die Telekom so entschieden ;)… würde er blau leuchten, würde man wohl eher an o2 – bei rot eher an vodafone denken 😉

  • Ist das wirklich PINK, mit dem der Fernsehtum angestrahlt wird? Oder doch eher MAGENTA? Denn dann hat es die Scheiß-Telekom bezahlt!

    Richtig: Nicht WGEN sondern TROTZ des real existierenden Systems gibt es Rechte für Behinderte. Man, waren wir mal stark, dies durchzusetzen – also wir als Gesellschaft gegen das System. Heute würden wir das niemehr durchbekommen. Und es wäre auch schon viel davon abgebaut, wenn in solchen Fragen nicht Kirchen, Gewerkschaften und Menschenrechtsgruppen auf der richtigen Seite stehen würden.

    Maria Magdalena meldet sich gar nicht mehr mit Kommentaren. Also: Ich bedauere das!

  • herzallerliebst, dass meine person tematisiert wird-
    ja ich bin nun aus polen zurück und es wird zeit für einen neue Runde Elektrakomplex…
    ich arbeite an „Mach die Beine Breit Jesus!!“
    ich finde die pinke spitze übrigens voll antörnend also weiss gar nicht was ihr habt…
    zudem muss ich anmerken, dass fräulein yohazid wieder in den wolken schwebt…
    ständig dieses bedeuern nach der guten alten zeit…
    armes würstchen…
    DAS NEUE ZEITALTER BEGINNT JETZT!!!!!
    LASST EUCH VERGEWALTIGEN!!

  • Ach, Würstchen/Yohazid … gleich kommst Du auch noch mit dem Penisneid. Ne, ne, das läuft nicht …
    Und Maria Magdalena: Elektrakomplex – das ist doch ausgereizt, komplett. Musste aufhören, bevor es langweilig wird. Kannste nicht mal andere Themen nehmen? Zum Beispiel Farbe auf nackter Haut besingen (nee, muss nicht wie Sperma aussehen!) oder die Einsamkeit des Baumes im Wald (der Wald ist dieses dunkle tiefe … naja, weißte schon) oder den Horror in städtischen Leihbüchereien oder die Erregung beim Anblick einer Olive, während wir Käse essen … es gibt so viele wichtige Themen. Warum schon wieder Elektrakomplex?

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